Quinn abgeben? – Eine Zeit voller Frust!

Quinn abgeben? – Eine Zeit voller Frust!

Quinn abgeben? – eine Zeit voller Frust

Lia Falinski
Eine Geschichte von Quinn und mir.

»Quinn, komm her!«

Braune Kulleraugen starren mich an. Mittlerweile haben sie beide ungefähr die gleiche Farbe. Als Quinn noch ein kleiner Welpe war, hatte sie zwei verschiedene Helligkeitsstufen in den Augen. Das sah unglaublich süß aus.

Unbeweglich steht sie da und starrt mich an.
Ich starre zurück. Wütend und frustriert.
Gehe ich auf sie zu, rennt sie weg. Bleibe ich hier stehen, rennt sie weg. Egal was ich tue, sie rennt weg.

Doch was war passiert?

»Stets bewahrte ich äußerlich die Ruhe.
Räumte allerdings innerlich kochend vor Wut auf und verbrachte den halben Abend damit, zu überlegen, wie ich ihr Abwechslung bieten konnte.«

Aller Anfang ist schwer!

Einen Welpen wollte ich eigentlich nicht mehr. Mit Samir hatte ich unglaubliches Glück, denn er machte nichts kaputt, war immer sehr ruhig und in sich gekehrt. Mein Probleme mit ihm bestanden eher darin, ihn zu einem Spiel zu animieren. Mittlerweile habe ich einen treuen Hunde-Partner an meiner Seite, auf den ich mich stets verlassen kann.
Dann kam Quinn. Ein Welpe, wie er im Buche steht. 

Ihre Zerstörungswut kannte keine Grenzen. Ich besitze Videos, in denen mein Haus einem Trümmerhaufen gleicht. Es ist wahr, Quinn hat sich alle Mühe gegeben mir zu zeigen, wie gerne sie alles kaputt macht. Mal ganz davon abgesehen, dass sie demonstrativ ins Haus macht, auch wenn wir vorher spazieren waren. Ich hatte zeitweise schon Bauchschmerzen, wenn ich die Haustör aufschloss und feststellte, dass sie das nächste Möbelstück zerbissen hatte.

In der Ruhe liegt die Kraft

Stets bewahrte ich äußerlich die Ruhe. Räumte allerdings innerlich kochend vor Wut auf und verbrachte den halben Abend damit, zu überlegen, wie ich ihr Abwechslung bieten konnte. Samir konnte mit ihr rein gar nichts anfangen. Ab und zu erwischte ich ihn dabei, wie er auf ihre Spiele einging, aber die meiste Zeit war er genervt und ließ sie links liegen. Je mehr ich sie bespaßte, desto schlimmer wurde es, also versuchte ich, so viel Ruhe wie möglich hineinzubekommen. Aber sie wollte unbedingt mit Samir spielen.

Vor lauter Frust zerstörte sie weiter. Dafür musste ich nichtmal aus dem Haus gehen. Sie tat es quasi still und heimlich und egal, mit was ich sie ablenkte oder wie viel ich mit ihr kuschelte und spielte, sie war einfach unaufhaltbar. Meine Devise war es zu ignorieren und ihr nicht die Bühne zu bieten, die sie wollte. Aber irgendwann reichte es auch mir und meine Geduld ging vollends flöten.

Ich hatte gefühlt alles in meiner Macht stehende getan, ihr das schönste Welpen Leben zu bieten. Ständig trug ich sie, damit ihre Gelenke geschont werden. Sie durfte in meinem Bett schlafen und sie bekam meine volle Aufmerksamkeit, wenn sie diese brauchte.

Ein Unglück kommt selten allein

Es war nicht ihre Zerstörungswut, die mir extrem Kopfzerbrechen bereitete. Auf Facebook hatte ich bereits darüber berichtet, dass Quinn sich jeden Tag bevor ich zur Arbeit musste unter meinem Auto verkroch. So schnell konnte ich gar nicht schauen, da saß sie direkt drunter und ich musste mir immer wieder neue Dinge einfallen lassen, sie da wieder vorzuholen. Klar, ich hätte sie auch einfach zum Auto tragen können, aber das würde langfristig keine Lösung bieten.

Warum leicht wenn´s auch schwer geht? Ich machte mich also wieder mal zum Depp meiner eigenen Doofheit und jeden Tag auf´s Neue ärgerte ich mich, einen verängstigten Hund unterm Auto vor zu locken. Verängstigt ist das Stichwort, denn Quinn zeigte mir in diesem Punkt noch Einiges.

Dann fing sie an, nicht mehr aus dem Auto auszusteigen, sobald wir zuhause waren. Sobald Samir und ich das Auto verlassen hatte, blieb sie sitzen und schaute uns mit ihren Kulleraugen an. Ich musste sie zeitweise aus dem Auto tragen, weil sie Panik hatte. Diese Phase ging genauso schnell vorbei, wie sie gekommen war. Wieso sie sich so verhielt weiß ich bis heute nicht.

Ein anderer Punkt auf meinem Geduldsbarometer war und ist immer noch die die Tatsache, dass sie alles anspringt. Egal ob  Kinder, Hunde, Erwachsene. Nicht selten erntete ich wütende Rufe und verärgerte Blicke von Eltern, deren Kinder in den Sand gefallen waren. Insgeheim wusste ich genau, dass der Fehler ganz klar bei mir lag. Es war meine Aufgabe sie zu trainieren, ihr Grenzen zu zeigen und sie vor Allem an die Leine zu nehmen. Ich maßregelte sie, sobald sie damit anfing, aber sie ignorierte mich völlig.

»Es ärgerte mich regelrecht, wenn Menschen in meinem Umfeld gefallen an ihr fanden, denn ich konnte nichts Positives mehr an ihr finden.«

Die Erkenntnis

Doch ich tat nichts. Ich trainierte sie nicht so, wie sie es brauchte. Ich nahm sie nicht an die Leine und ich distanzierte mich immer mehr von ihr. Oder sie von mir. Irgendwann war sie nur noch dabei statt mittendrin.

Eben ein Hund mehr, den ich besaß.
Mehr nicht.
Es ärgerte mich regelrecht, wenn Menschen in meinem Umfeld gefallen an ihr fanden, denn ich konnte nichts Positives mehr an ihr finden. Doch genau die Tatsache gab mir die Erkenntnis, die mich selbst ziemlich umhaute.

Ich liebte diesen Hund nicht!

Wochenlang habe ich mir eingeredet, dass sie noch zu jung wäre, ich sie nicht überfordern wollte mit Regeln. Im Grunde einfach nur Ausreden für Etwas, was ich lange vor mir herschob.

Da stand ich nun.

Quinn zehn Meter von mir entfernt. Stocksteif und kurz vor dem Sprung. Wie so oft, wollte ich, dass sie zu mir kommt. Doch sie tat es nicht. Ich fühlte mich ohnmächtig, hilflos und ich war einfach nur noch wütend. Nie hatte ich erlebt, dass ein Hund nicht zu mir kommen wollte. Dabei war ich doch DER Hundemensch, der seinen Hund über alles liebt. Was war da los?

Samir bekam es auch zu spüren

Meine Bindung zu Samir war immer nahezu perfekt gewesen. Manchmal war er etwas zu kontrollsüchtig und neigte dazu, mich den ganzen Tag nicht mehr aus den Augen zu verlieren. Durch Quinn geriet vor Allem die Bindung zu Samir und mir heftig ins Schwanken. Wir verloren uns immer mehr aus den Augen, da meine Konzentration vor Allem darauf beruhte, Quinn davon abzuhalten etwas oder jemanden kaputt zu machen.
Vor lauter Ungeduld wurde ich immer lauter. Auch mit Samir. Ich keifte ihn an, wenn er nicht sofort parierte und verhielt mich einfach nur noch unfair. Spaziergänge machten mir lange keinen Spaß mehr. Ich war einfach immer extrem verwöhnt gewesen mit einem Hund, der mir auf Schritt und Tritt folgte und immer hörte. Doch auch er spürte, dass etwas nicht stimmte und ignorierte mich immer mehr.

Im Prinzip war ich immer und jederzeit bereit mich für sie zu entschuldigen. Zu erklären, sie sei erst ein paar Monate alt. Doch je älter sie wurde, desto lächerlicher fühlte ich mich dabei. Ich wusste, dass Quinn keine Schuld trug, sondern ich.

Eine Entscheidung muss her

Die Situation war verhext.Sie wurde ruhiger und zerstörte weniger, aber die Gefühle blieben aus. Sie konnte noch so süß schauen. Sie schaute dabei niemals in meine Seele. So wollte ich nicht weitermachen, also entschied ich mich, mir Gedanken zu machen.
Im Alltag beobachtete ich die Situationen und versuchte herauszufinden, wo mein Problem lag. Ich liebte Hunde. Wie konnte ich einen Hund, den anscheinend jeder mochte ablehnen? 

Ein großes Problem war, dass ich uninteressant für sie war. Währenddessen ich ungeduldig war und sie maßregelte, beschloss sie, sich Samir anzuschließen.
Er gab ihr die Sicherheit, die sie brauchte. Rief ich Samir, kam sie nur, weil sie ihm folgte. Allerdings wusste ich jetzt auch, wieso ich keine Bindung aufbaute. Wir hatten keine richtige Kommunikation. In stressigen Situationen rannte sie lieber zu Samir, aber niemals zu mir. Daran wollte ich arbeiten. 

Ständige Vergleiche und Erwartungen

Ich schäme mich fast dafür, denn wer will in seinem Leben mit anderen Menschen verglichen und dann abgelehnt werden?
Keiner.
Doch nach einiger Zeit tat ich es. Samir war ein Hund, den ich nie richtig erziehen musste. Er war einfach stets bereit mir zu folgen. Quinn war es absolut nicht. Alles war interessanter und viel toller als ich.
Insgeheim schrieb ich eine Liste, was sie alles nicht erfüllte. Eine große Enttäuschung war ihre Angst, denn ich hatte meine ganzen Hoffnungen auf einen Nervenstarken Hund gesetzt, der Samir mehr Sicherheit gab. Nun war es umgekehrt und Quinn versteckte sich hinter Samir. Ihr sorgenvoller Blick machte mich irgendwann wütend und ich hätte sie am Liebsten geschüttelt und geschrien: „Wo ist dein Problem?!“

Es lag keine Freude in ihrem Ausdruck, wie ich sie bei Samir sah. Ich sah nur ein kleines Wesen, dass gerne jemanden zum Anlehnen suchte. Dabei wollte ich ihr so gerne helfen, ihr die Unsicherheit nehmen und bekam einfach nicht ihr Vertrauen. Stattdessen verbrachte ich Zeit damit sie zu bestechen, dass sie überhaupt ein paar Schritte zu mir kam.
Nie hatte ich sie geschlagen oder grob angefasst, was dieses Verhalten erklären könnte. Sie spürte es einfach und spiegelte genau meine Gefühle.

Einfach aufgeben und Quinn abgeben?

Ja, ganz unwahrscheinlich ist dieser Gedanke nicht. Ich hatte damit gespielt, da ich es nicht fair für sie fand. Sie wurde von so vielen Menschen geliebt. Nur ich tat es nicht. Aber ich wollte nicht einfach aufgeben und das Handtuch werfen, da ich wusste, dass es mein eigenes Vergehen war, dass ich in die Hand nehmen musste.
Lange Nächte und viele Tage saß ich da und beobachtete Quinn. Ich versuchte die Gefühle heraufzubeschwören und gleichzeitig machte es mich fassungslos, dass gerade ich, die größte Tiernärrin überhaupt so etwas tat. Als Samir kastriert wurde, brachte das eine ungewöhnliche Wende in meiner Denkweise.

Quinn hörte!

Da Samir wegen der Kastration angeschlagen war, ging ich alleine mit ihr spazieren. Das erste Mal überhaupt, dass ich alleine ohne Samir Zeit mit ihr verbrachte. Und es veränderte meine Sichtweise völlig. Quinn beachtete mich das erste Mal seit langer Zeit wieder, hörte zudem sehr gut, wenn ich sie abrief und schaute mich an. Ich war völlig begeistert und glaubte die Lösung gefunden zu haben!
Als Samir wieder gesund war, packte ich meine Sachen und ging alleine mit Quinn zum Campen. Ich wollte einige Tage mit ihr verbringen und schauen, wie es weiter funktionieren würde. Ohne Samir.

Was soll ich sagen? Ich hatte einen Hund, der ein Traum war. Ich musste nie lauter werden als nötig, bekam sie immer abgerufen und Quinn hatte nur Augen für mich. Echte Erleichterung machte sich breit. Ich begann sie zu lieben. Endlich hatte ich das Gefühl wir könnten ein Team werden.

Ein Happy End?

Für mich war es das! Das Wochenende mit uns zweien veränderte so Einiges.
Von da an, ging ich öfter alleine mit ihr weg, ließ Samir auch mal Zu Hause und verbrachte wieder mehr Zeit mit Kuscheln. Außerdem hörte ich ihr mehr zu und beachtete sie, wenn sie zu mir kam.
Samir und Quinn sind mittlerweile ein tolles Team geworden! Sie lieben sich, spielen zusammen und schlafen gemeinsam mit dem Kater Sir Finan in einem Bett. Eine richtige kleine Familie. 

Natürlich gibt es das ein oder andere kleine Ding, was wir zu bekämpfen haben und sie manchmal hat sie besondere Einfälle, aber nun hat sie sich genauso einen Platz in meinem Herzen erkämpft wie Samir. Und dieser Platz ist reserviert bis an ihr Lebensende. ❤️

Was sagst du zu dieser Sache? Hast du vielleicht schonmal etwas Ähnliches erlebt? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

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